| |
>> Biografie
Eugen Rehfisch
>> Preisträger
und Arbeiten
________________________________________________
Auf jeder ihrer Tagungen des FORUM URODYNAMICUM werden jeweils ein
Eugen-Rehfisch-Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit
auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und die beste wissenschaftliche
Arbeit auf dem Gebiet der angewandten klinischen Forschung vergeben.
Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert und werden von der
Firma Pfizer GmbH gestiftet.
Das Preisgeld kommt erst dann zur Auszahlung, wenn die wissenschaftliche Arbeit in einem Zeitraum von maximal 5 Jahren veröffentlicht ist. In der wissenschaftlichen Arbeit sollte nach dem Titel eine Fussnote: "Ausgezeichnet mit dem Eugen-Rehfisch-Preis des Forum Urodynamicum e.V. (Jahr)" eingefügt werden.
________________________________________________
Eugen Rehfisch's wissenschaftlicher Beitrag
zur Urodynamik
B. Schönberger, Berlin †
Über Lebensumstände und Lebensdaten des Herrn Dr. Eugen
Rehfisch ist wenig bekannt. Ob er im Jahre 1862 geboren ist, konnten
wir nicht belegen. Seine Publikationstätigkeit lässt aber
Rückschlüsse auf seine berufliche Laufbahn und seine wissenschaftlichen
Interessen zu. In der Deutschen Medizinischen Wochenschrift findet
sich 1895 eine Arbeit Ueber acute Spermatocystitis" aus
der Poliklinik des Herrn Privatdozenten Dr. Leopold Casper. Ein
Jahr später erschienen ebenda Neuere Untersuchungen über
die Physiologie der Samenblasen", die er im ersten anatomischen
Institut in Berlin vornahm. Es ist auch nachzuweisen, dass Rehfisch
zusammen mit Leopold Casper (1859 1959) an der Weiterentwicklung
des Zystoskops zur Ureterenkatheterisierung arbeitete.
Seine für uns wichtigen Untersuchungen Ueber den Mechanismus
des Harnblasenverschlusses und der Harnentleerung" führte
er im Physiologischen Institut der Berliner Universität unter
Mithilfe des Herrn PD Dr. Rene du Bois Reymond und unter Anleitung
von Prof. Dr. J. Munk durch. Die Ergebnisse wurden in Virchow's
Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie 1897 auf
40 Seiten publiziert. Dabei war wichtig für ihn, welchem der
Sphinkteren die entscheidende Bedeutung für die Kontinenzerhaltung
zukommt. Dazu führte er Hundeversuche durch. Weiterhin suchte
er eine Antwort auf die Frage, wie die normale Miktion eingeleitet
wird und warum der Detrusordruck bereits vor Miktionsende absinkt.
Dieses Problem wollte er am Lebenden klären. Er entwickelte
die Versuchsanordnung, die wir aus mehreren Publikationen über
die Geschichte der Urodynamik kennen (Abb. 1). Über einen Katheter
wurde angewärmte Borsäurelösung in die Blase instilliert.
Ein Dreiwegehahn erlaubte die Messung des Blasendruckes mit einem
GAD'schen Blutdruckmessgerätes. Unter die Urethralmündung
wurde ein Trichter gestellt, der wiederum mit einem Harnflussmessgerät
nach dem Luftverdrängungsprinzip verbunden war. Er konnte nun
die Druckhöhe der Blasenkontraktion vor und während der
Miktion aufzeichnen. Dabei interessierte ihn lediglich das Druckverhalten
bei Miktionsbeginn und der Druckabfall in der Blase bis zum Ende
der Miktion. Der maximale Uroflow und die Uroflowkurve waren für
ihn ohne Bedeutung. Nach diesen Untersuchungen entwickelte er die
Lehre, dass die Miktion durch aktive primäre Sphinkter-Erschlaffung
eingeleitet und unterhalten wird (O. Schwarz, 1926).
Seine zweite wichtige Publikation beschäftigte sich mit der
Innervation der Blase (Virchow's Archiv, 1900). Dazu führte
er zwischen 1897 und 1899 an 45 männlichen Hunden Stimulationsversuche
am N. hypogastricus und N. erigens durch und beschrieb die Reaktion
des Detrusors und des Sphinkters. Im Ergebnis seiner Erkenntnisse
lehnte er die Theorie von M. v. Zeissl (1896) ab, der glaubte, dass
sowohl der N. pelvicus (=N. erigens) als auch der N. hypogastricus
aktivierende und hemmende Fasern enthalten müsste.
Auch wenn seine Theorien später verworfen wurden, so waren
seine experimentellen und klinischen Versuche für die nächste
Generation von großem Wert und wurden im Handbuch für
Urologie durch O. Schwarz (1926) ausführlich gewürdigt.
Warum sich Eugen Rehfisch in den nächsten Jahren der Kardiologie
zuwandte, können wir bislang nicht erklären. Es finden
sich Hinweise auf Vorträge im Verein für Innere Medizin
in Berlin und mehrere ausführliche Publikationen in der Deutschen
Medizinischen Wochenschrift zwischen 1904 und 1918, die mit der
gleichen Gründlichkeit wie die urodynamischen Veröffentlichungen
vorbereitet worden waren. Er setzte sich hier mit Herzrhythmusstörungen,
mit Endocarditis sowie der Elektrokardiographie und Herzfunktions-
untersuchungen auseinander. Wenngleich sich Eugen Rehfisch vorzeitig
von der Urologie verabschiedete, hat er mit seiner modernen Versuchsordnung
(Abb. 1) einen Meilenstein auf dem Weg zur modernen urologischen
Funktionsdiagnostik hinterlassen. Diese Tatsache veranlasste das
Forum Urodynamicum den Innovationspreis nach ihm zu benennen.
|
|
|